• Zwei Crashs, eine Strafe: Vettels Rennen zum Vergessen
Was für ein verrücktes Rennen in Spa-Francorchamps: Regen, Unfälle, Strafen, Safety Car - der Große Preis von Belgien hatte alles im Angebot, was ein Formel-1-Rennen spannend macht. Allerdings zum Leidwesen von Sebastian Vettel. Der Red-Bull-Pilot erlebte wieder einmal ein Rennen zum Vergessen. Erst ein selbst verschuldeter Crash mit Jenson Button, dann eine Durchfahrtsstrafe, ehe ein aufgeschlitzter Reifen endgültig alles zunichte machte. Der WM-Titel rückte damit in weite Ferne.
Den Sieg auf dem Ardennenkurs sicherte sich Lewis Hamilton. Der Brite im McLaren-Mercedes gewann das Rennen quasi schon beim Start, gab die Führung bis zum Schluss nicht aus der Hand. Michael Schumacher kämpfte sich von Startplatz 21 bis auf 7 nach vorne.
Vettels Rückstand wird größer, Sutil nun vor Schumacher
Durch den Gewinn des Rennens übernahm Hamilton auch wieder die Führung in der WM-Wertung. Der Brite liegt nun drei Punkte vor Webber, Vettel und Button verloren beide durch ihre Nullnummer den Kontakt zur Spitze. Vettels Rückstand auf Hamilton wuchs auf satte 31 Zähler an.
Etwas weiter unten in der Tabelle übertrumpfte Adrian Sutil, der in Spa auf einem starken fünften Platz liegend die Zielflagge sah, Schumacher und kletterte auf Rang neun. Zwar trennt die beiden nur ein Punkt, für den Force-India-Piloten trotzdem ein toller Erfolg.
Chaos unmittelbar nach dem Start in Spa
Gerade einmal zwei Runden dauerte das Rennen, da musste Bernd Mayländer bereits das Safety Car auf den Ardennenkurs lenken. Unmittelbar nach dem Start setzte der gefürchtete Regen ein, der schon in den Trainingssessions und dem Qualifying für chaotische Zustände sorgte. Allerdings beschränkte sich der Regen nur auf einige Abschnitte, nicht der komplette Kurs wurde unter Wasser gesetzt.
Doch das reichte schon. Rubens Barrichello krachte seitlich in Fernando Alonso - das Aus für den Brasilianer in seinem 300. Rennen, Alonso aber konnte weiterfahren. Während Pole-Setter Webber bis auf Rang sechs durchgereicht wurde, übernahm das McLaren-Duo Hamilton und Jenson Button die Führung. Vettel lieferte sich mit Robert Kubica ein spannendes Duell, Schumacher machte auf den ersten Runden bereits neun Plätze gut.
Berührung zwischen Schumacher und Rosberg
In der zwölften Runde kam es zu einer Berührung zwischen Schumacher und Nico Rosberg. Letzterer hatte zunächst ein Duell mit Vitaly Petrov verloren, wurde von diesem weit in eine der großen Auslaufzonen gedrängt. Als Rosberg zurück auf die Strecke lenkte, ging auch Schumacher an ihm vorbei. Rosberg touchierte das rechte Hinterrad des Rekordweltmeisters und verlor dabei einen Teil seines Frontflügels.
Vettels Seuchenrennen nimmt an Fahrt auf
Das nächste Duell, welches für Stimmung auf den Tribünen sorgte, war das zwischen Vettel und Button. Im Kampf um Platz zwei hing Vettel rundenlang hinter dem Briten fest. Als er dann endlich seine Chance witterte, zog Vettel raus und setzte zum Überholen an. Doch der Red-Bull-Pilot verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und bohrte seinen Frontflügel in den Seitenkasten Buttons. Während dessen Kühler komplett zerstört wurde und damit das Aus des amtierenden Weltmeisters besiegelte, schaffte es Vettel noch zurück an die Box.
Mit neuer Nase ging es für ihn weiter, doch die Rennleitung sprach wegen der Kollision eine Durchfahrtsstrafe gegen den Deutschen aus. Und damit nicht genug. In der 28. Runde schlitzte Vitantonio Liuzzi mit seinem Frontflügel Vettels linken Hinterreifen auf. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe Vettel auf drei Rädern den Rückweg an die Box schaffte. Aufgeben wollte er aber nicht, mit frischen Reifen ging es wieder ins Rennen. Die Punkteränge waren damit allerdings nicht mehr erreichbar.
Hamilton im Glück
Zehn Runden vor Schluss setzte dann der Regen wieder ein - und mischte das Geschehen noch einmal mächtig auf. Der in Führung liegende Hamilton blieb auf Anweisung seines Teams zunächst auf der Strecke, rutschte dann aber ohne Grip ins Kiesbett. Der Brite hatte Glück, konnte einer Kollision entgehen und holte sich dann doch die Intermediates. Hamilton blieb an der Spitze, dahinter aber schnappte sich Webber in der Box den vor ihm liegenden Kubica.
Schumacher, der zu diesem Zeitpunkt noch immer auf dem ersten Reifensatz unterwegs war, lag nach dem Umstellen auf Intermediates plötzlich auf Rang sechs. Alonso verlor im stärker werdenden Regen die Kontrolle über seinen Ferrari und krachte in die Streckenbegrenzung. Das Safety Car musste erneut rausfahren, das Feld rückte wieder zusammen.
Rosberg schiebt sich an Schumacher vorbei
Der Restart ging ohne Unfall über die Bühne - aber Schumacher musste sich seinem Teamkollegen geschlagen geben. Rosberg beschleunigte den Altmeister klassisch aus, ging an Schumacher vorbei und übernahm dessen sechsten Rang. Auf den letzten Runden gab es keine weiteren Zwischenfälle. Hamilton brachte den Sieg in trockene Tücher, Webber beendete das Rennen auf Rang zwei. Kubica krönte sein tolles Wochenende mit einem Platz auf dem Podium.
Mit Adrian Sutil, Rosberg und Schumacher lagen gleich drei deutsche Piloten in den Top Ten. Nico Hülkenberg wurde 14., Vettel lag einen Rang dahinter. Timo Glock beendete das Rennen auf Position 18.
Doppelsieg für Ferrari auf dem Hockenheimring - und doch hängen dunkle Wolken über dem italienischen Rennstall. Mit einer recht eindeutigen Stallorder sorgten die Roten beim Großen Preis von Deutschland für einen handfesten Skandal. Der in Führung liegende Felipe Massa wurde per Boxenfunk zurückgepfiffen, um Platz zu machen für seinen Teamkollegen. Fernando Alonso ließ sich nicht zweimal bitten und strich den Sieg und die damit verbundenen 25 Punkte für die Fahrerwertung ein.
Wenige Stunden nach dem Rennen bekam Ferrari dann dafür die Rechnung präsentiert. 100.000 Dollar muss das Team bezahlen. Zudem wird der Fall zur weiteren Untersuchung an das Motor Sports World Council übergeben. Am Rennergebnis von Hockenheim ändert sich allerdings nichts. Die Sportkommissare begründeten das harte Strafmaß mit dem Verstoß gegen das sportliche Reglement (§ 39.1). Zudem hätte des Team dem Ansehen des Sports geschadet (§ 151.C), hieß es weiter.
"Alonso fährt schneller als Du. Kannst Du diese Nachricht bestätigen?" Mit diesen Worten hatte der Kommandostand Massa klargemacht, was er zu tun hat. Massa diskutierte nicht lang, nahm den Fuß vom Gas und ließ den Spanier passieren. Sebastian Vettel sicherte sich den dritten Platz, Michael Schumacher schaffte mit seinem neunten Platz knapp den Sprung in die Punkteränge, Teamkollege Nico Rosberg wurde Achter.
Massa macht gute Miene zum bösen Spiel
Die Reaktion Massas im Parc Fermé sprach Bände: Nur ein kurzes Händeschütteln mit Alonso. Als der Spanier ihn umarmen wollte, drehte sich Massa weg und ging direkt zum Wiegen. Am Kommandostand von Ferrari gab man sich direkt nach dem Rennen unschuldig. "Nein, wir erwarten keine Strafe. Das war keine Teamorder", gaben die beiden Renningenieure von Massa und Alonso unisono zu Protokoll. Allerdings war der Rest der Teamführung schnell verschwunden und für Interviews nicht mehr zu haben.
Kurz angebunden zeigten sich die beiden Piloten dann auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. Vor allem Massa war die Wut deutlich anzusehen. "Was soll ich dazu sagen? Als Team haben wir das Maximum herausgeholt", so der Brasilianer, der sich bemühte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
Vettel verliert den Start gegen beide Ferrari
Der eigentliche Rennverlauf rückte durch das Vorgehen von Ferrari völlig in den Hintergrund. Für Vettel war das Rennen im Grunde schon beim Start verloren. Der Deutsche kam kaum von der Stelle, wurde sofort von beiden Ferrari-Piloten attackiert - und war chancenlos. Den Angriff Alonsos versuchte Vettel noch abzuwehren, machte dabei aber die Tür für den von Platz drei aus startenden Felipe Massa auf. Der Brasilianer nutze die Gelegenheit, schnappte sich in einem Aufwasch die beiden Streithähne und übernahm die Spitze.
Weiter hinten im Feld krachten die beiden Boliden der Scuderia Toro Rosso ineinander, wobei Sebastien Buemi den gesamten Heckflügel verlor. Adrian Sutil, der nach einem Getriebewechsel um fünf Plätze strafversetzt wurde, fing sich einige der Bruchstücke ein und musste sich an der Box einen neuen Frontflügel holen. Nur eine Runde später war Sutil erneut in der Box - seine Mechaniker hatten ihm einen falschen Reifen aufgezogen.
Schumacher im harten Duell mit Kubica
Michael Schumacher konnte den Start allerdings für seine Zwecke nutzen, kletterte um drei Ränge von elf auf acht. Die Positionen festigten sich, Massa und Alonso an der Spitze drehten einsam ihre Runden. Nach 13 Umläufen eröffnete Vettel dann den ersten Boxenstoppreigen, in den sich nur eine Runde später Alonso einreihte. Die Taktik war klar: Die weichen Pneus mussten runter, die härtere der beiden Mischungen drauf. Nach und nach kamen dann alle Piloten zum Service, große Veränderungen blieben aber aus.
Jenson Button konnte seinen Boxenstopp am längsten hinauszögern, führte das Rennen einige Runden lang vor Massa und Alonso an. Schumacher musste sich derweil mit Robert Kubica messen, der nach seinem Stopp direkt vor dem Deutschen auf die Strecke kam. Die beiden lieferten sich einen harten Kampf, den Schumacher letztlich nicht gewinnen konnte.
Alonso gegen Massa: "Das ist lächerlich"
Ein nicht minder packendes Duell lieferten sich die beiden Ferrari-Piloten. Alonso machte gehörig Druck auf seinen Teamkollegen, versuchte mit aller Macht an Massa vorbeizugehen. Und der Brasilianer wehrte sich, so gut er konnte. Alonso setzte immer wieder zum Überholen an, Massa konterte jedoch jede Attacke des Spaniers. Alonso gab schließlich entnervt auf und machte seinem Frust per Boxenfunk Luft: "Das ist lächerlich!" Dem Spanier schien die Lust zu vergehen, er verlor plötzlich bis zu eine Sekunde pro Runde auf den Teamkollegen.
Massa bekam seinerseits die Ansage: "Konzentrier Dich, Du hast drei Sekunden Vorsprung. Du kannst gewinnen." Und als ob auch Alonso diesen Funkspruch gehört hätte, drehte der Spanier aus dem Stand die bis dato schnellste Rennrunde. Und der Rückstand nahm sukzessive ab.
Ferrari-Chefs zum Rapport
Nach 50 gefahrenen Runden kam dann die Stallorder. Per Boxenfunk wurde Massa angewiesen, seinen Teamkollegen vorbeizulassen. "Alonso fährt schneller als Du. Hast Du das verstanden?", lautete die nicht sonderlich gut verschlüsselte Anordnung. Und der Brasilianer agierte, wie man ihm auftrug. Massa ging deutlich vom Gas und ließ Alonso überholen. Sein Renningenieur entschuldigte sich kurz darauf per Funk: "Gut gemacht, jetzt bleib da, wo Du bist. Sorry!"
Nach dem Rennen baten dann die Stewards Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali und Teammanager Luca Baldisseri zum Rapport. Doch aus Sicht des Teams war klar: Alonso war wirklich schneller unterwegs als Massa, eine eindeutige Ansage wie einst, als Jean Todt Rubens Barrichello die legendären Worte "let Michael pass for the championship" ins Ohr säuselte, gab es nicht.
Vettel versucht, an Massa vorbeizukommen
Für Massa drohte es sogar noch schlimmer zu kommen. Vettel kam Runde um Runde näher, machte mächtig Druck auf den Ferrari-Piloten. Doch der Brasilianer ließ sich nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen und brachte den zweiten Platz in trockene Tücher. Vettel musste sich mit Platz drei begnügen, Lewis Hamilton wurde Vierter vor Jenson Button und Mark Webber.
Ein Red Bull gewinnt den Großen Preis von Großbritannien - ganz wie erwartet. Doch heißt der Sieger nicht Sebastian Vettel, sondern Mark Webber. Zwar war der Deutsche von der Pole Position aus ins Rennen gegangen, doch ein Plattfuß beendete die mögliche Siegesfahrt schon kurz nach dem Start. Sein Teamkollege hingegen fuhr ungefährdet die für die Fahrerwertung so wichtigen 25 Zähler ein, ließ Lewis Hamilton und einen stark aufgelegten Nico Rosberg hinter sich.
Neben Rosberg und Vettel schafften auch noch Adrian Sutil, Michael Schumacher und Nico Hülkenberg den Sprung in die Punkteränge. Aus deutscher Sicht musste lediglich Timo Glock die Hoffnung auf WM-Zähler begraben. Der Wersauer beendete das Rennen auf Platz 18.
Wie schnell sich Träume in Luft auflösen, das bekam einmal mehr Vettel zu spüren. Beim Start lieferte sich der Deutsche ein erwartet packendes Duell mit Webber, der seinem Ruf des Superstarters alle Ehre machte. Der Australier griff ohne Rücksicht auf Verluste an, drängte Vettel von der Strecke ins Grün. Als dieser wieder auf die Strecke zurückkam, musste er sich sofort gegen Lewis Hamilton zur Wehr setzen. Doch dieser Zweikampf währte nicht allzu lange, denn ein Plattfuß am hinteren rechten Rad zwang ihn, die Geschwindigkeit zu drosseln.
Langsam rollte Vettel um den Kurs in Richtung Boxengasse, um sich dort mit neuen Reifen ausstatten zu lassen. Von Platz 1 auf Platz 24 - so schnell kann es gehen. Ähnliches Pech ereilte Felipe Massa. Der Brasilianer touchierte den Boliden seines Teamkollegen Fernando Alonso und schlitzte sich dabei einen Reifen auf.
Mercedes GP mit spezieller Schumacher-Taktik
Während Webber an der Spitze einsam seine Runden drehte, konnte sich Schumacher von Platz zehn auf sieben vorschieben. Hinter Rubens Barrichello liegend, wurde der Rekordweltmeister von seinem Teamchef zum Service beordert. Die Lücke, in die er nach seinem Stopp fuhr, sollte ihm erlauben, einige Sekunden gut zu machen. Aber die Konkurrenz war nicht untätig und rief ihre Fahrer ebenfalls zum Reifenwechsel an die Boxen.
Weltmeister Button pflügt durchs gesamte Feld
Der erhoffte Vorsprung Schumachers verpuffte, doch bei Rosberg ging die Taktik auf. Schumachers Teamkollege blieb länger auf der Strecke und kam nach seinem Stopp vor Robert Kubica und Alonso auf die Piste. Derweil hatte sich Jenson Button bis auf Rang drei vorgearbeitet, wenn auch ohne Zwischenhalt beim Service. Dennoch, von Rang 14 aus gestartet, zeigte der Brite bei seinem Heimrennen eine tolle Leistung.
Alonso und Kubica lieferten sich einen erbitterten Fight, bei dem der Spanier unabsichtlich eine Schikane durchfuhr - und dafür von der Rennleitung mit einer Durchfahrtsstrafe belegt wurde. Unglücklicherweise konnte Alonso diese nicht rechtzeitig antreten, eine Safety-Car-Phase durchkreuzte die Pläne des Ferrari-Piloten. Dadurch fiel er zurück bis auf Platz 14.
Schönes Duell zwischen Vettel und Schumacher
Vettel behielt nach seinem Plattfuß am Start einen kühlen Kopf. Der Red-Bull-Fahrer konzentrierte sich auf die Verfolgungsjagd, eroberte Platz um Platz zurück. 13 Runden vor Schluss hatte sich Vettel bis auf Platz neun vorgekämpft, Hülkenberg bereits kassiert und traf nun auf sein großes Vorbild. "Good job, and now Michael - come on!", hieß es vom Kommandostand. Ein Duell mit Schumacher, das hatten sich die Fans schon vor Beginn der Saison gewünscht. Und Vettel überholte den Rekordweltmeister, der bei einer Attacke fair zurücksteckte.
Sich mit Rang acht zufrieden zu geben, das wäre nicht Vettels Art. So machte er gleich Druck auf Sutil. Der Force-India-Pilot wehrte sich erfolgreicher als Schumacher zuvor. Erst in der letzten Runde musste er sich Vettel geschlagen geben, nachdem dieser Sutil bei einer Attacke berührte.
Deutsches Quartett auf den Plätzen sieben bis zehn
An der Spitze hatte sich das Führungsduo bereits auf die Zielankunft eingestellt. Dahinter lag Rosberg vor Button, nur eine Sekunde trennte die beiden. Doch Rosberg rettete seinen Podiumsplatz ins Ziel, ließ Button ebenso hinter sich wie Rubens Barrichello und Kamui Kobayashi. Erst dahinter landete das deutsche Quartett Vettel, Sutil, Schumacher und Hülkenberg.
Webber erhielt erste Glückwünsche von der Teamleitung per Boxenfunk. "Toll Mark, Du hast das Rennen gewonnen", hieß es vom Kommandostand. Der Australier konnte sich in diesem Moment einen Seitenhieb nicht verkneifen und antwortete: "Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer." Der Australier spielte damit auf den Vorfall im Training an, als Sebastian Vettel den einzigen neu gefertigten Frontflügel verpasst bekam - und eben nicht Webber, obwohl dieser in der WM-Wertung vor Vettel lag.
Licht und Schatten für Red Bull Racing beim Großen Preis von Europa. Während Sebastian Vettel seinen zweiten Saisonsieg einfahren konnte, verunfallte Teamkollege Mark Webber schwer. Der Australier konnte nach einem spektakulären Crash, bei dem sich sein Bolide überschlug, aber unverletzt dem Wrack entsteigen. Hinter Vettel belegten Lewis Hamilton und Jenson Button (beide McLaren-Mercedes) die Plätze zwei und drei.
Michael Schumachers Rennen war ein absolut chaotisches. Nach Startplatz 15 ging es erst weit nach vorne, ehe unglückliche Boxenstopps den Rekordweltmeister ans Ende des Feldes zurückwarfen. Im Endeffekt war das Rennen nicht viel mehr als ein Testtag für den Kerpener. Adrian Sutil belegte im Force India einen hervorragenden sechsten Platz.
Der Start war wie gewohnt eines der Highlights des Rennens. Lewis Hamilton schnappte sich ohne große Mühe den vor ihm startenden Mark Webber und machte sich sofort daran, auch Sebastian Vettel zu attackieren. Noch vor der ersten Kurve wurde es zwischen den beiden mehr als eng. Beim Versuch, Hamiltons Angriff abzuwehren, kam es zu einer Berührung zwischen den beiden Boliden. Hamiltons Frontflügel wurde dabei beschädigt, was Fernando Alonsos Renningenieur per Boxenfunk bestätigte: "Vorsicht, wir sehen, dass Hamilton Teile des Flügels verliert."
Webber wurde bis auf Rang neun durchgereicht und kam schon nach acht Runden zum Reifenwechsel - runter mit den weichen, rauf mit den harten Gummis. Für Michael Schumacher lief es unterdessen recht erfreulich. Von Startplatz 15 aus gestartet, konnte sich der Rekordweltmeister in nur einer Runde vier Plätze vorarbeiten. Sein Teamkollege Nico Rosberg hingegen fiel einige Plätze zurück.
Schlimmer Unfall von Webber
Nur einen Umlauf nach seinem Boxenstopp ließ Webber die Zuschauer den Atem anhalten. Der Australier versuchte den vor ihm liegenden Heikki Kovalainen zu überholen, krachte dem Finnen ins Heck. Webbers Bolide wurde regelrecht in die Höhe katapultiert, flog über Kovalainens Lotus hinweg und überschlug sich. Der Australier krachte kopfüber auf den Asphalt rutschte ungebremst in die Reifenstapel. Der Australier hatte aber Glück im Unglück, konnte aus eigener Kraft aussteigen. Kovalainen verteidigte die von ihm gefahrene Linie: "Ich habe meine Position verteidigt, Webber ist in mich rein gefahren."
Die anschließende Saftey-Car-Phase würfelte das Feld durcheinander, da nahezu alle Piloten zum Reifenwechsel in die Box abbogen. Schumacher lag kurzzeitig an Position drei, ehe er ebenfalls an die Box gerufen wurde. Dummerweise schaffte der Kerpener es nicht mehr, vor dem Feld auf die Strecke zurückzukommen und musste sich auf Rang 19 einreihen. Die Mienen der Verantwortlichen am Kommandostand sprachen Bände, gewollt war das nicht. Nach nur zwei Runden ging es für Schumacher wieder zum Service, die weichen Reifen wurden wieder gegen harte getauscht - letzter Platz!
Hamilton kommt in Benzinprobleme
Auch der Restart hatte es dann in sich. Hamilton versuchte erneut, Vettel zu kassieren. Der Deutsche hielt dagegen, stand in der Kurve vor Start und Ziel quer, konnte die Attacke des Briten aber gerade noch abwehren. Die aggressive Fahrweise Hamiltons brachte diesen dann aber in Schwierigkeiten, denn der Benzinverbrauch des Briten war zu hoch. Hamilton musste einen Gang zurückschalten, langsamer machen, um ein mögliches Liegenbleiben zu verhindern. Bei Rosberg setzten unterdessen Bremsprobleme ein. "Verstell die Balance ein wenig nach hinten, wenn Du kannst", so die Anweisung vom Kommandostand.
"Du musst die Bremsen schonen."
Hamilton wurde eine Durchfahrtstrafe aufgebrummt. Der McLaren-Pilot hatte das Safety Car bei dessen Ausfahrt aus der Boxengasse unerlaubterweise überholt, was laut Reglement die angesprochene Strafe nach sich zieht. Hamilton aber hatte einen ausreichend großen Vorsprung, um keinen Platz zu verlieren. Der Brite kam vor Kamui Kobayashi wieder auf die Strecke, der sich erfolgreich gegen Jenson Button zur Wehr setzte.
Schumachers Rennen wird zum Testtag
Nach den Aufregern verflachte das Rennen. Vettel drehte einsam seine Runden an der Spitze, fuhr sich einen Vorsprung von rund 14 Sekunden heraus. Für Mercedes GP und Michael Schumacher wurde der Grand Prix zu einem reinen Testtag. Beim dritten Boxenstopp auf Platz 17 liegend gab es wieder die weichere Reifenmischung. Auf einen ernsthaften Versuch, noch einmal anzugreifen, warteten die Fans vergeblich. Nico Hülkenberg musste das Rennen sechs Runden vor Schluss aufgeben, nachdem ein auf der Strecke liegendes Carbonteil einen Reifenschaden verursachte.
Hamilton blieb trotz Strafe an Vettel dran, knabberte Runde um Runde Stücke des Rückstands auf den Deutschen ab - Vettel ernsthaft in Gefahr bringen konnte er aber nicht mehr. Der Red-Bull-Pilot fuhr das Rennen ungefährdet zuende, sicherte sich die wichtigen 25 Punkte. Hamilton wurde Zweiter vor seinem Teamkollegen Button.
Nachträgliche Zeitstrafe für neun Fahrer
Einige Stunden nach dem Rennen belegten die Rennkommissare insgesamt neun Fahrer mit einer Zeitstrafe von jeweils fünf Sekunden. Grund sind zu hohe Geschwindigkeiten während der Safety-Car-Phase. Durch diese Strafen rückte Alonso nachträglich vom neunten auf den achten Platz vor, Rosberg, der als Zwölfter ins Ziel gekommen war, bekommt als Zehnter noch einen WM-Punkt. Teamkollege Schumacher wird im Endklassement auf Platz 15 anstatt zuvor 16 geführt.
Die Kommissare, unter ihnen der frühere Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen, waren der Ansicht, dass Jenson Button, Rubens Barrichello (Williams/4.), Robert Kubica (Renault/5.), Adrian Sutil, Sebastien Buemi (Toro Rosso/9.), Pedro de la Rosa (12.), Witali Petrow (Renault/14.) und Vitantonio Liuzzi (16.) während der Safety-Car-Phase zu schnell an die Box gefahren waren. Sauber-Pilot de la Rosa verlor bei seinem Heimspiel dadurch einen WM-Punkt für Platz zehn, Buemi rutsche einen Rang ab. Mit 20 Sekunden belegten die Kommissare zudem Timo Glock, der blauen Flaggen (Überholen lassen) missachtet haben soll. Er rutschte damit von Rang 18 auf Rang 19.